Die Suubi Nähschule läuft auf vollen Touren und die Frauen machen große Fortschritte. So manche Wochen bei Suubi sind erfüllt von Dingen, die Grund zur Freude geben. Ein Rock ist fertiggestellt. Mais wird geerntet. Eine junge Mutter entdeckt eine Fähigkeit an sich, von der sie nichts wusste.
Und dann gibt es Wochen, in denen uns bewusst wird, dass es bei Suubi um weit mehr gehen muss als nur ums Nähen. Viele der jungen Mütter, die zu Suubi kommen, haben tiefes Leid und Traumata erlebt und daher ist ein Kurs „Heilung von Trauma“ auch Teil des Curriculums.
In der letzten Woche ging es im Kurs Traumabewältigung um die Themen Trauer und den Verlust eines Kindes. Eine unserer jungen Mütter, Sulaina, erzählte der Gruppe vom Verlust ihres vier Monate alten Babys, das an Malaria starb. Was zunächst wie leichtes Fieber aussah, endete mit dem Tod ihres Kindes.
Doch Sulaina verlor nicht nur ihr Baby. Danach wurde sie in ihrer Gemeinschaft als verflucht bezeichnet. Anstatt von Menschen umgeben zu sein, die sie in ihrer Trauer unterstützten, geriet sie in die Isolation. Sie kämpfte mit den Erinnerungen an den Tod ihres Babys, mit Schlafstörungen, Traurigkeit und Einsamkeit. Diese Woche hat sie endlich darüber reden können. Sylvia berichtete, dass Sulaina ihre Geschichte an einem Ort erzählen konnte, an dem sie sich gehört und angenommen fühlte – einem Ort, an dem sie trauern durfte, ohne verurteilt zu werden. Es war eine Erfahrung von Trost und ein Schritt in Richtung Heilung.
Manchmal denke ich, wir messen den Erfolg unserer Arbeit zu sehr an Dingen, die sich zählen lassen. Wie viele Frauen? Wie viele Nähmaschinen? Wie viele Patenschaften für Kinder? Wie viele angelegte Gärten? Doch wie lässt sich der Wert dessen beziffern, dass eine Frau endlich einen sicheren Ort hat, an dem sie weinen und Trost finden kann?
Die Antwort lautet: Es geht nicht. Heilung geschieht nicht von heute auf morgen. Sie beginnt in dem Moment, in dem jemand erkennt, dass er seinen Schmerz nicht mehr allein tragen muss. Ein offenes Ohr, ein Raum voller Gnade und die Liebe Gottes können die ersten Schritte hin zur Hoffnung sein. Genau deshalb ist die Traumaberatung ein wesentlicher Bestandteil von Suubi. Wir vermitteln jungen Müttern nicht nur, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Wir helfen ihnen auch, den Mut zu finden, daran zu glauben, dass ihre Vergangenheit nicht ihre Zukunft bestimmen muss.
Es ist ein Privileg, miterleben zu dürfen, wie dort Hoffnung wächst, wo einst Verzweiflung herrschte.
Mit finanzieller Unterstützung des Landtags und des Staatsministeriums Baden-Württemberg
über die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit (SEZ) Baden-Württemberg.
